Hilfe vor Ort – Lesbos/Mytelini/Moria – gemeinsam mit Helga Longin

Doro Blancke Allgemein, Lesbos - Moria Kommentieren

Die Vorbereitungen für die Reise waren im Nu getroffen. Nach Absprache mit meinen engsten Freund*innen und NGO Kolleg*innen fasste ich schnell den Entschluss nach Lesbos zu fliegen. Dieses große Unrecht an Menschen, dieser Schmerz, dieses grausame politische Spiel auf Kosten von Menschen muss dokumentiert werden. Wir werden eines Tages die Zeitzeug*innen sein. Wir sind jetzt die, die sich entscheiden können unser Leben für den Hauch eines Atemzuges der Ewigkeit zu unterbrechen, um an den Ort dieses Verbrechens zu reisen, zu helfen, wo wir gebraucht werden und unsere Berichte abzugeben.

Wie es der Respekt sowohl für die Betroffenen, als auch für die Inselbewohner*innen verlangen machten wir einen Corona Test. Ich schrieb Freund*innen, Unterstützer*innen eine Email über das Vorhaben. Und ich war und bin sehr berührt und dankbar, sowohl der Zuspruch, als auch die finanzielle Unterstützung waren und sind enorm.

Hilfe vor Ort.

Möchte man den Menschen auf der Flucht, hier auf Lesbos helfen kann ich nur raten sich mit einer erfahrenen NGO vor Ort im Vorfeld zu verbinden. Es gibt nicht viele, die wirklich hier sind und denen man vertrauen kann.

Ärzte ohne Grenzen , Home for All und Stand by me Lesvos sind jene, die ich hier nennen mag. Sie leisten hier unmittelbar Hilfe. Viele Projekte, in ganz Griechenland sind wichtig, doch jetzt erscheint es mir am wichtigsten die Spenden direkt hier auf Lesbos den Menschen zukommen zu lassen. Es fehlt an allem, den einfachsten, für uns selbstverständliche Dinge. Es gibt quasi nichts, das die Menschen auf der Flucht noch besitzen.

Ca. 2000 Mahlzeiten verteilt „Home For All“ täglich. Wir werden Nikos und Katharina sowohl mit Arbeitseinsatz als auch mit Euren Spendengeldern unterstützen. Wir werden uns mit „Stand by me Lesvos“, der direkten Partnerorganisation der Diakonie treffen und erfragen, was hier von Nöten ist, und wir werden wieder einmal große Organisationen bitten, MSF-Ärzte ohne Grenzen ihre Spendeneinnahmen zukommen zu lassen. Hier, wo sich 6 jährige Kinder das Leben nehmen wollen vor Verzweiflung, wo unzählige Menschen so verzweifelt sind, dass sie kollabieren, krank werden, oder schwerste psychische Schäden erleiden müssen. Wo es am Minimum fehlt.

Hier, wo in einem Kindercamp 2000 Kinder (!) hinter Gitter, mit Security eingeschlossen waren, nach Hilfe schrien, wenn man vorbei ging. Hinter Gittern, ursprünglich ausgerichtet für 300 Kinder, 2000. ich stelle mir nicht die Frage „Gott, warum hast Du uns verlassen?“. Viel eher schon, Mensch, was ist aus uns geworden?

400 der Kinder wurden nach dem Brand nach Thessaloniki geflogen, sie leben jetzt in einem Haus, von Polizisten bewacht, nur erlaubt den Vorplatz zu betreten. Bis heute, 15. September, 4 Tage nach dem Brand immer noch kein frisches Gewand, keine Zahnbürste, geschweige denn einen Funken Zuneigung. Auf 40-50 Kindern kommen 4-5 Betreuer*innen.

Mensch, was ist aus uns geworden? Kinderseelen, sollten wir sie nicht fliegen lehren?

Unser Innenminister fliegt nach Athen, bringt 55 Tonnen Hilfsgüter. Dass die 181 Container, die Österreich schon im Mai 2020 geschickt hat immer noch nicht auf Lesbos sind, scheint ihn nicht zu interessieren. Wohl auch nicht die Ankunft der jetzigen Hilfsgüter in Lesbos. Herr Nehammer fliegt nur bis nach Athen, denn es geht ja um Außengrenzen schützen, Griechenland-Türkei. Dass man mit Hilfsgütern fliegt, die immerhin bis nach Athen kommen, ist zuhause im beschränkten Österreich ein willkommenes Prestigeobjekt, das wenig, bis gar nichts mit Lesbos/Moria, geschweige denn den Menschen dort zu tun hat. Außenminister Schallenberg kommt am Donnerstag, auch nur bis Athen, wird auch wieder über Lesbos reden, der eigentliche Grund seiner lang geplanten Reise ist aber das Gas, die Debatte zwischen Griechenland und Türkei.

Was sind dazu im Vergleich 13.000 obdachlose, verzweifelte Menschen, Kinder hinter Gittern, bewacht von bewaffneter Polizei und Security und zb ein 16 jähriger, der seit Monaten einen gerichtlichen Bescheid aus Österreich hat zu seinem Bruder nach Österreich kommen zu können. Er wurde aber in Moria „vergessen“, weil es niemanden interessiert hat.

Mein Herz ist wund, ich starre dazwischen in die Luft und kann es kaum fassen, welch Monster wir Menschen sind. Moria wird in die Geschichtsbücher eingehen, wegen Misshandlungen, unterlassener Hilfeleistung an Menschen in größter Not und auch wegen politischen Debatten, die so lange gedauert haben, dass manche Menschen in Moria deren Ende nicht erleben konnten.

Ich bin unheimlich dankbar, dass Helga Longin, eine starke, liebende Freundin sich mit mir auf diese schmerzliche Mission gemacht hat. Wir werden Kartoffel schälen, Reis kochen, Windeln und Babynahrung besorgen, tun was wir gemeinsam mit anderen können. Und von dem Elend, der unfassbaren Not, der Grausamkeit berichten, von der Schönfärberei der Politik, von dem Schmerz, den wir in scheinbarer Lust hier verbreiten und von einer Vision, wie wir uns allen die Würde zurück schenken könnten.

Wenn Ihr dabei unterstützen wollt, bei sichtbarer #HilfeVorOrt dann gerne eine Spende an

AT93 3842 0000 0002 7516, Doro Blancke, Betreff: Lesbos

innigen Dank!

Täglich, ab heute Abend werden wir einen Kurzbericht hier veröffentlichen und am Abschluss unserer Mission eine Spendenübersicht und Ausgabenrechnung veröffentlichen.

Wir können nicht die ganze Welt verändern, doch jede/jeder können wir nach unseren Möglichkeiten Liebe hinterlassen.

Doro und Helga

#Menschenrechte #Nächstenliebe #Menschenwürde #EU #Österreich #Griechenland

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.