Wochenarbeiten auf Lesbos

Im Moment sind wir auf Lesbos durch Fayad, meinen lieben Kollegen, und unseren beiden Volunteers aus Österreich, Maha aus Graz und Katharina von der FH St. Pölten, vertreten. Sie leisten wirklich unglaublich tolle Arbeit, es gibt sehr viel zu tun.

Es ist wirklich immer noch dringendst erforderlich, dass wir die Geflüchteten auf Lesbos unterstützen, auch wenn von der Politik alles schön geredet wird. Ja, es ist richtig, dass es weniger Menschen im RIC Camp auf Lesbos gibt, das heißt aber nicht, dass es den Menschen im Camp und auf der Insel jetzt besser geht oder sie gut versorgt werden.

Ein großes Problem ist, dass ein Großteil der Menschen, die momentan auf der Insel sind, keine Grundversorgung erhalten, z.B. all jene, die neu auf der Insel sind, die noch mitten im Asylverfahren stecken oder diejenigen, die einen Bescheid erhalten haben, der besagt, dass sie sich illegal im Land aufhalten und auf eine Rückführung in die Türkei warten müssen. Das ist natürlich auch wieder eine Ausrede der griechische Regierung, denn alle wissen, dass der türkische Präsident Erdogan im Moment niemanden „zurücknimmt“. Trotzdem fallen die Menschen im Camp aus der Grundversorgung heraus und sind sozusagen „illegal“ im Land, was ihnen großen Stress bereitet. Sie haben Ängste, dass sie deportiert werden, sie bekommen kein Geld (müssen auf die 75€ monatliche Grundversorgung verzichten). So auch alle anderen, z.B. die fast 200 Menschen, die außerhalb des Camps leben, wie schon oft berichtet, Familien mit Kindern und Alleinreisende, die aus dem Camp wegen besonderer Vulnerabilität herausgenommen wurden. Sie haben auch nur eine Wohnung, aber kein Geld. Das spezielle Programm der griechischen Regierung zur Unterstützung dieser besonders vulnerablen Personen wurde eingestellt, was heißt, dass die Menschen, um zu einem Essen zu kommen, oft ins Camp zurückkommen müssen. Dies stellt gerade im Hinblick darauf, dass diese Personen psychisch und/oder physisch eben nicht in der Lage sind, in so einem Camp zu leben, eine riesige Herausforderung dar.

Wir haben uns vor längerer Zeit schon dazu entschlossen, speziell diese Menschen mit einem wöchentlichen Lebensmittelpaket basierend auf der Anzahl der Mitglieder der Familie/der Wohngemeinschaft zu unterstützen. Wir sorgen hier für eine sehr ausgewogene Unterstützung, nämlich in Form von Trockenlebensmitteln, frischem Obst und Gemüse, Fleisch, das wir wöchentlich an drei verschiedenen Standorten in Mytilini an die Menschen verteilen.

Wir führen auch weiterhin das Clean-Up Projekt durch. Dort ist eine Gruppe von Geflüchteten als Reinigungsgruppe engagiert, die zweimal wöchentlich die Strände und Parks in und um Mytilini abgeht und den ganzen Unrat und Müll beseitigt. Dies ist auch eine sehr schöne Aktion, es hat einerseits einen Aspekt für uns alle, für unsere Gesellschaft, für die Umwelt, welchen auch Griech*innen positiv zur Kenntnis nehmen. Andererseits treffen wir uns dort als Gemeinschaft, es entstehen Gespräche und die beteiligten Geflüchteten kommen dann auch mit ihren persönlichen Anliegen, wir schenken ein offenes Ohr und überlegen, wo man unterstützen und helfen kann.

Auch sind wir weiterhin am Community Center Parea beteiligt, dem ehemaligen Gemeinschaftszentrum der NGO One Happy Family. Es beteiligen sich momentan neun NGOs daran, unter der Koordinierung von Europe Cares. Die NGOs haben dort Container und Plätze, wo sie ein diverses Programm für die Geflüchteten anbieten. Die Lage ist optimal, direkt oberhalb des Camps. Es gibt jetzt im Parea psychologische Begleitung, ein Kinderprogramm, es gibt einen wunderschönen Garten, es gibt eine Radwerkstatt und eine Handwerkswerkstatt. Es gibt auch eine große Gemeinschaftshalle, wo Feste stattfinden können. Dort haben wir schon zweimal, nämlich beim Eröffnungsfest des Community Centers und nun bei einem erneuten Fest, das letzte Woche stattgefunden hat, das Essen für 600 Gäste finanziert.
Das hat uns sehr gefreut, dass das alles stattfinden konnte. Es ist eine wunderbare Sache, wenn Menschen, die so in Not und Verzweiflung sind, zusammenkommen und einmal in Ruhe essen und ausrasten können. Es gibt dort auch einen „Woman space“, der im Camp so dringend fehlt, wo sich die Frauen unter sich niederlassen, zusammenfinden und zur Ruhe kommen können.

Im Parea unterrichten wir außerdem Englisch und Deutsch. Deutsch vor allem für jene, die auf eine Familienzusammenführung in deutschsprachige Länder warten.
Auch die Rechtsberaterin des von uns finanzierten Rechtsberatungsprojekts ist ab und zu dort, wenn sie nicht im Camp unterwegs ist, um die Erstaufnahme zu machen, Dokumente ihrer Klient*innen zu sammeln, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, um einen klaren Sachverhalt für eine gute rechtliche Betreuung sammeln zu können, etc. Diese Informationen werden dann an das Büro der NGO Defence for Children International Greece (DCI) in Athen weiter geleitet, wo dann Nantina Tsekeri und Iris Pappa alle abarbeiten und die Klient*innen nach bestem Wissen und Gewissen beraten und begleiten.
Wir stellen darüber hinaus auch unsere Container in Parea für manche Veranstaltungen zur Verfügung. Zum Beispiel hat DCI erst vor Kurzem eine rechtliche Informationsveranstaltung für Mitarbeiter*innen und Ehrenamtliche von NGOs auf der Insel durchgeführt. Solche Veranstaltungen sind wichtig, um rechtlich auf dem neuesten Stand zu bleiben und in der Lage zu sein, den Geflüchteten so gut wie möglich auch rechtlich weiterzuhelfen.

Was wir auch weiterhin tun ist die finanzielle Unterstützung von Geflüchteten mit den Wohnungskosten, weil sie wie schon beschrieben teilweise nicht ein und aus wissen, weil sie rausfallen aus der Grundversorgung wie sehr viele andere auch, mit ihren Kindern in Wohnungen leben, die sie kaum bis gar nicht bezahlen können.

Was auch sehr wichtig ist, ist die aktivistisch-politische Arbeit, die wir leisten. Wir versuchen immer wieder, auf die Menschrechts- und Völkerrechtsbrüche an den europäischen Außengrenzen aufmerksam zu machen, immer wieder darüber zu berichten. Wir dürfen hier nicht ruhen, da die Menschenrechtsbrüche, die derzeit in Griechenland passieren, einfach eine Katastrophe sind. Es ist Unrecht.
Wir hoffen, dass alle Verantwortlichen und Ausführenden eines Tages vor Gericht gebracht werden. Dafür dokumentieren wir alle Geschehnisse (siehe z.B. unsere Webseite Frontex Investigation), wir versuchen, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, mit Politiker*innen, mit Akteur*innen, auch mit Parlamentarier*innen der Europäischen Union.
Wir versuchen immer wieder, darüber zu berichten, die Dringlichkeit dieser Tatsachen darzulegen, auch anhand von praktischen Beispielen.

Es ist uns ein dringendes Anliegen, all diese Dinge, ob auf Lesbos, an den EU-Außengrenzen oder in Österreich, auch weiterhin zu tun, da wir finden, dass sich die Lage der Geflüchteten auf Lesbos und den anderen griechischen Inseln eigentlich im Prinzip verschlechtert hat. Der Blick auf Europa muss ausgedehnt werden. Trotz des aggressiven Angriffskriegs auf die Ukraine dürfen wir auf keinen Fall vergessen, dass es auch Geflüchtete aus anderen Ländern gibt, die praktisch aus denselben Gründen geflohen sind und unsere Hilfe benötigen. Und dennoch stellen sich den Geflüchteten nach wie vor viele Probleme in den Weg. Bei den Rechtsangelegenheiten beispielsweise heißt es immer „warten, warten, warten“. Darum haben wir auch unser Rechtsberatungsprojekt bis Ende des Jahres verlängert. Wir investieren insgesamt 40.000 Euro. 20.000 Euro haben wir direkt von unserem Verein zur Verfügung gestellt und wir hoffen, dass Ihr Leser*innen und Unterstützer*innen so freundlich seid und mit einer kleineren oder größeren Gabe ebenfalls unterstützen könnt.

Es ist uns sehr wohl bewusst, dass die Zeiten schwierig werden. Wir kennen die Situation, dass sich auch viele Menschen in Österreich die existenziellen Dinge kaum mehr leisten können. Ich denke aber, es gibt auch viele Menschen, die doch noch in einer Situation sind, ein paar Euro für Menschen, die in Not sind, erübrigen zu können. Wenn diese Menschen an uns denken und vor allem an unsere Arbeit für Geflüchtete, dann freuen wir uns sehr, wenn wir Unterstützung bekommen. Wir sind aber auch sehr dankbar über das bloße Bewusstsein der Situation auf Lesbos, wir wissen, dass es wahnsinnig viele Freiwillige in der Zivilgesellschaft gibt. Viele Menschen in Österreich, die für unterschiedliche Herausforderungen ihre Kraft und ihren Einsatz zur Verfügung stellen.

Falls Ihr spenden könnt und möchtet, geht das wie immer über:

Flüchtlingshilfe/refugee assistance – Doro Blancke
IBAN: AT93 3842 0000 0002 7516
Oder über Paypal: paypal.me/helfedorohelfen

Vielen herzlichen Dank!
Doro Blancke und Team

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