Wien, Afghanistan, Arbeit für und mit Menschen auf der Flucht

Doro Blancke Asyl Kommentieren

Für alle die unsere Arbeit in Wohlwollen begleiten, unterstützen, beobachten und auch für jene, die unmittelbar davon betroffen sind, ein kleiner Querschnitt vom letzten Wienaufenthalt.

BBU-Bundesbetreuungsagentur #Fairlassen

Sehr gute Zusammenarbeit von verschiedenen NGOs, die sich das letzte Jahr intensiv mit dem Verlust der unabhängigen Rechtsberatung beschäftigt haben. Gemeinsam haben wir versucht das Beste aus dieser furchtbaren Situation herauszuholen. Die Bundesbetreuungsagentur sieht vor, dass Menschen auf der Flucht, isoliert von NGOs und der Zivilgesellschaft in Betreuungsorten des BMI untergebracht werden und auch von diesem rechtlich im Asylverfahren vertreten werden. Ungefähr so, als würde man geschieden und der Rechtsanwalt meines Expartners/-partnerin vertritt mich vor Gericht. Die Kampagne geht im Herbst weiter und beschäftigt sich dann mit dem Thema „Isolation“. https://www.fairlassen.at/

In wunderbarer Zusammenarbeit haben wir einen guten Schritt erreicht. Die Justizministerin Dr. Alma Zadic legt Wert auf gegenseitige Wertschätzung und Respekt und Lukas Gahleitner-Gertz, Sprecher der Asylkoordination Österreich hat stellvertretend für uns alle, viele gute Gespräche mit ihr geführt. Das Ergebnis ist besser als wir anfänglich erwartet haben. Bei meinem Wienbesuch konnten Lukas Gahleitner-Gertz, Christoph Riedl, Diakonie, Theresa, Amnesty Österreich und ich, Fairness Asyl die gesammelten Unterschriften, im Namen aller beteiligten NGOs und der Zivilgesellschaft übergeben. Es war ein sehr guter Termin. Nicht nur, dass sich die Justizministerin 1 1/2 Stunden für uns und unsere Anliegen Zeit genommen hat, sie war auch sehr interessiert an den anderen Themen wie die Isolation in der BBU, Schubhaft, Fortbestand der bereits bestehenden NGOs in diesem Bereich, usw.. Wir verließen das Ministerium mit dem guten Gefühl sehr ernst genommen zu werden. Ein wunderbares Beispiel dafür wie Dialog und Austausch zw Politik und Zivilgesellschaft funktionieren kann. Wir würden uns sehr freuen, wenn auch andere Minister*innen diesem folgen würden. https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200703_OTS0110/zadi-unabhaengigkeit-der-rechtsberatung-fuer-asylsuchende-garantiert

Afghanistan

Eine sehr liebe Familie, gute Freunde von mir haben einen jungen Afghanen, den ich begleiten darf, aufgenommen. Er ist letzte Woche eingezogen. Auch ich durfte bei ihnen übernachten, so hatten wir einige gute Stunden zusammen, die das Einleben erleichterten. Ich verließ den Ort mit glücklichem Herzen. Danke!

Ein anderer junger Mann aus Afghanistan macht gerade den Schulabschluss. Sein Vater hat mich angeschrieben er sucht für seinen Sohn Nachhilfe. Ich hab mich mit dem Jungen getroffen und mich sehr gefreut als ich gemerkt habe, dass der junge Mann sehr motiviert ist. Auf meine Suche hin hat sich meine Freundin und Kollegin, Jutta Lang von Fairness-Asyl sofort bereit erklärt ihn bis zum Schulabschluss zu unterstützen. Der erste Lerntag hat bereits stattgefunden. Großes Danke an Jutta. Die Weichen für eine Lehrstelle habe ich bereits gestellt. Große Freude!

Treffen mit Dr. Rasuly/Sachverständiger, Afghanistan

Auf meine Bitte um einen Termin hat Herr Dr. Rasuly sehr freundlich reagiert und so trafen wir uns im Cafe Eiles in Wien. Meine sehr geschätzte Freundin Dr. Susanne Scholl hat mich begleitet. Auch wenn wir in einigen Dingen eine andere Meinung als Herr Dr. Rasuly haben, war es trotzdem ein sehr respektvolles Gespräch. Herr Dr. Rasuly sieht die Abschiebungen nach Afghanistan auch umstritten. Wir haben vereinbart bei Bundeskanzler Sebastian Kurz um einen Termin zu bitten. Es muss ein guter Dialog für uns alle stattfinden. Afghanen, die zu uns aus einem Hochrisikogebiet geflüchtet sind, bei uns zur Schule gehen, Lehrstellen haben, arbeiten, oder in Ausbildung sind, Freund*innen und Familien gefunden haben, es muss eine gute Lösung für sie gefunden werden. Abschiebungen nach Afghanistan sind keine Lösung. Wir werden weiter berichten.

Taufe

Die Einladung zu einer Taufe von 2 Afghanen war etwas Besonderes. Ein sehr feierlicher Moment mit anschließend guten Gesprächen mit einem Mitarbeiter der österreichischen Bischofskonferenz, den Taufpaten, dem Priester und den beiden jungen Menschen. Wir ließen das Fest bei einem guten Essen ausklingen. Auch zu diesem Thema „Konvertiten“ sind noch viele Gespräche, offener Dialog notwendig. Die jeweiligen Glaubensgemeinschaften prüfen mit großer Verantwortung die Aufnahme. Teilweise werden seitens der Behörden zum Thema „Glauben“ Fragen gestellt, die selbst mit einem abgeschlossenen Theologiestudium schwierig sind. Auch das muss ein Ende haben. 1 Jahr intensive Taufvorbereitung, Prüfung durch die jeweiligen Verantwortlichen muss einen entsprechenden Stellenwert erlangen. Nicht zuletzt auch als Respekt und Wertschätzung an die Glaubensgemeinschaften und Vertrauen in ihr Tun. Wir bleiben dran.

Schubhaft:

2 Termine in Wien galten diesem Thema. Im Moment finden keine Abschiebungen nach Afghanistan statt. Darum bemühen wir uns gemeinsam mit Asylkoordination Österreich und Diakonie auch hier Gespräche zu führen. Es kann nicht sein, dass junge, unbescholtene Afghanen wochenlang in Schubhaft sitzen, das BMI immer wieder, trotz besseren Wissens angebliche Abschiebe-Termine in den Raum stellt und so verhindert, dass die jungen Menschen aus wochenlanger Schubhaft entlassen werden. In Schubhaft zu sein ist eine riesen psychische Belastung. Die Ängste vor der drohenden Abschiebung in das Hochrisikogebiet Afghanistan sind enorm groß. Eine Situation, der wir unbescholtene junge Menschen auf der Flucht auf keinen Fall aussetzen dürfen. Ich danke allen Freund*innen und NGOs die sich dagegen aussprechen und immer wieder um eine menschenwürdige Lösung bemüht sind. Ich selbst betreue am Telefon einen Schubhäftling. Nach Telefonaten mit ihm ist mein Herz wund und ich kann in keinster Weise nachvollziehen, warum das Thema Afghanistan nicht endlich im Parlament, den realen Umständen in diesem Land entsprechend, behandelt wird.

Graz

Müde aber doch zufrieden bin ich am Wochenende nach Graz zurück gekehrt. Auch hier warten viele Aufgaben, Lehrlinge, Schüler, junge Menschen, die sich seit Jahren bemühen hier ihr Bestes zu geben und immer noch eine Abschiebung nach Afghanistan fürchten müssen.

#StopDeportationToAfghanistan #AfghanistanIsNotSafe #Menschenrechte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.