Wieder sterben Menschen an unseren Grenzen

2 Säuglinge
3 Kinder
1 Erwachsener

Unsere innigste Anteilnahme und unsere Scham.

Todesursache: verweigerte Hilfestellung, vorsätzliche Tötung, Mord? Dies muss noch juristisch ermittelt werden.
Dies sind die Konsequenzen der europäischen Abschreckungspolitik.

Es waren Menschen aus Syrien, auf der Flucht.
Das Benzin des Bootes ging aus. Hellenic Coast Guard – auch sie sind Menschen – haben die Hilfe verwehrt.

Zwei Säuglinge,
drei Kinder,
ein Erwachsener.
Fünf weitere Menschen werden noch vermisst.

Ich sitze in meiner Wohnung und weine.
Und ich denke mir, wir müssen darüber reden. Sofortige Konsequenzen fordern.
Es ist/wäre unsere Pflicht.
Es werden Familien mit Kindern am offenen Meer ausgesetzt. Ihrem Schicksal, in diesem Fall – wie bei etlichen anderen – dem Tod überlassen.

Zwei meiner lieben Freunde haben gerade in unsere Chatgruppe Fotos ihrer Kinder geschickt.
So unversehrte, sonnige Wesen.
Was tun wir, wenn sie uns später fragen: „Habt ihr das nicht gewusst?“

Es ist unsere Verpflichtung, so gut wir das können, ein lebenswertes Umfeld zu gestalten. Wir sind die Vorfahren.
Wir sind die mit der „Hinterlassenschaft“.
Wir haben eine große Verantwortung.

Ich bin wirklich verzweifelt darüber, dass alle nur über die Ukraine reden, was auch total wichtig ist, aber nebenbei kein Wort über diese massiven Verbrechen an Geflüchteten aus anderen Ländern verlieren.
Das macht mich sehr betroffen.

Ich weiß, wir haben viele Probleme.
In diese haben wir uns als Gemeinschaft selbst gebracht. Mit den falschen Partner*innen zusammen gearbeitet, den falschen Vertreter*innen vertraut oder weggesehen.
Doch ich finde es falsch, Menschenrechtsverbrechen auszublenden. Es muss für alles Raum sein, Menschen in ihren Rollen und gemeinsam unterstützen, dass alles gesehen wird.

Was an Europas Außengrenzen passiert, das muss uns berühren.
Denn es ist und bleibt, das kann man drehen und wenden wie man will, unser aller Verantwortung.
Da gibt es keine Ausrede.
Wir werden unseren Kindern nichts antworten können. Sie werden es weder verstehen noch akzeptieren können.
Und sie haben recht!

Denn dies ist nicht mehr zu ertragen. Menschen sollten das nicht aushalten können und müssen. Wir sollten es nicht schweigend ertragen.
Wir sollten uns weder denken „Wir können nichts tun“ noch „Es muss wahrscheinlich sein“.
Beides ist falsch, darüber sollten wir uns bewusst sein.

Es sind schlimmste strukturelle Verbrechen. Angeordnet von politisch Verantwortlichen, die wir bemächtigen.
Wir müssen sofortige Konsequenzen fordern, immer wieder, solange, bis sie kommen.
Wir dürfen keine Menschenleben mehr opfern.

Ja, diese Tatsachen machen emotional. Wir, die wir hier auf der Insel arbeiten und helfen, kennen die Situation vor Ort, wir kämpfen, wir weinen, wir vernetzen uns, berichten. Wir fühlen uns betroffen und das sind wir auch.

Es ist keine Zeit mehr zum Schweigen, zum Wegsehen, zum Abwarten.
Wir müssen beginnen, diese Verbrechen beim Namen zu nennen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Dies muss ein sofortiges Ende finden!

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