Weiterhin unmenschliche Zustände in Moria2

#Lesbos#RICCamp

Ich danke Ärzte ohne Grenzen von Herzen für ihre Offenheit und ihre Kompetenz.
Bin sehr dankbar, dass es Euch gibt! 

Man findet auf den Inseln nicht viele Freund*innen, wenn man neben notwendiger Katastrophenhilfe immer wieder das Thema #Menschenrecht und unser aller diesbezügliche Verantwortung anspricht.
Die ganzen 8 Monate war und bin ich entsetzt darüber, wie wenig sich NGOs über die furchtbaren Zustände in den camps äußern, wie sie mit Willkür unter Druck gesetzt werden, wie sie beinahe schon beginnen diesen Zustand als erforderliche Realität zu akzeptieren. 

Nein, es ist weder erforderlich noch in keinster Weise akzeptabel. 
Auf die Frage von NR. Abg. Steffi Krisper nach „Vorkommnissen, sexuellen Übergriffen, Auseinandersetzungen“ antwortet der verantwortliche Polizeimajor, es sei ihm kaum etwas bekannt. 
Will er nichts wissen, darf er nichts wissen, ist es ihm egal?
Unser späteres Treffen mit Psycholog*innen, Hebammen, med. Ärzt*innen vor Ort werden all jene unserer Schilderungen seitens der Expert*innen bestätigt.
Wo Menschen unter so grausamen Umständen, zusammengepfercht untergebracht werden, kommt es zu Problemen. Auch UNHCR zeigt sich leider von der Situation nicht sonderlich beeindruckt und deren Vertreterin spricht eher wie eine Politikerin, als jemand der Menschen und ihre Grundrechte vertritt. 
In diesen Camps werden Menschen zu „seelischen Wracks“ gebrochen. 

Singlemums, die in ihrer Heimat, oder auf der Flucht vergewaltigt wurden, diese, ihre Kinder den ganzen Tag erschöpft am Arm herum schleppen, denn es gibt keine einzige Sitzgelegenheit im Camp, lässt man vollkommen alleine!

Junge Menschen, die durch, oder auf ihrer Flucht ihre Familie verloren haben, sich nachts vor Verzweiflung in die dreckigen Kissen weinen, massive Schlafstörungen entwickeln, man lässt sie alleine! 

Verzweifelte Eltern, die gemeinsam mit ihren Kindern und all ihrem Hab und Gut auf 9m2 leben, deren Kinder seit Jahren keine Schule gesehen haben, die trotz Asyl monatelang hier „eingesperrt“ werden, denn 1 wöchentlicher Ausgang für 3 Std ist einsperren, man lässt sie alleine!

Ich sah Polizisten, die mit Füßen nach Kindern treten und höre auf Chios, dass Polizisten tun und lassen was sie wollen. Sie geben Nummern von Frauen weiter, die sich prostituieren müssen, weil sie Asyl haben und alle Mittel gestrichen wurden und sie nehmen aus den Zelten den einzigen Energiedrink der herum steht und sagen unter gehässigem Lachen „ihr könnt Euch ja bei der Polizei beschweren“.
Es gibt keine Ombudsfrau/Ombudsmann für die Schutzsuchenden, man lässt sie alleine! 

Und natürlich gibts neben der ganzen Bagasche auch super starke und aufrichtige Menschen, doch auch die werden eingeschüchtert, ins burnout getrieben und gemobbt, wenn sie die Stimme erheben.
Unsere letzten Gäste haben die Nervosität und die Betroffenheit jener hautnah erlebt. 

Nach 8 Monaten auf Lesbos neige ich dazu diese Camps als „Folterlager“ zu bezeichnen.

Ein junger Mann, den ich gestern nach seinem erhaltenen Asylbescheid auf der Fähre nach Athen getroffen habe weint, als er mir schildert was 2 Jahre Lesbos mit ihm gemacht haben und wie sehr er gewartet hat endlich dieser Hölle zu entfliehen.
Es ist ihm bewusst, dass er noch lange Zeit Albträume haben wird und dass es braucht, bis diese Demütigungen und Schmerzen heilen. 

Wir dürfen auf keinen Fall schweigen, egal, welche Konsequenzen es hat, denn sich mitschuldig zu machen ist viel schlimmer als alles andere.

https://orf.at/stories/3216775/
(Bericht Ärzte ohne Grenzen)

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