Seit über 1 Jahr kontinuierlich auf Lesbos

Während ich zuhause und gemeinsam mit Kolleg*innen intensiv mit der Situation Minderjähriger, Kinder und Jugendlicher auf der Flucht in Österreich beschäftigt bin, geht unser Hilfseinsatz auf Lesbos konsequent weiter.
Und dies bereits seit September 2020. 

Ich bin sehr dankbar, dass immer jemand von uns vor Ort ist, denn mit dem Existenziellen zu unterstützen ist die eine Sache. Den Menschen Mitmenschlichkeit zu zeigen, ihnen in Form unserer Präsenz zu zeigen, dass sie nicht alleine sind mit ihren Schicksalen und als Menschen gesehen und wertgeschätzt werden, ist unserer Meinung nach mindestens so wichtig.
Beziehung und unsere Werte am Leben zu erhalten ist eine Notwendigkeit in Europa, wir sind dankbar, dass wir gemeinsam mit anderen NGOs und der Zivilgesellschaft unseren Beitrag dafür leisten können und dürfen. 

Mein Kollege Fayad, der seit einem Jahr mit mir auf Lesbos im Einsatz ist, ist vor Ort und arbeitet gemeinsam mit Maresi, Verena, Viktoria und den Community Volunteers.
Auch wenn im Camp die Zahl der Menschen deutlich sinkt, ist die Not der Menschen trotzdem extrem traurig. 

Wir kümmern uns weiterhin um die Familien, die bereits Asyl haben und außerhalb des Camps wohnen. Etliche von ihnen sind besonders vulnerabel, sprich besonders schwierige Umstände. Krankheit, starke Traumatisierung der Kinder, oder Eltern, Verlust eines Familienmitglieds durch Tod, hier auf der Insel oder auf der Flucht.

Alle schutzsuchenden Menschen hier auf Lesbos sind einer Situation ausgesetzt, die wir in keinster Weise akzeptieren können. Besonders auch die vulnerablen Personen sind in einer sehr belastenden Situation.
Sie wurden zum Teil 6 Monate von einem Programm der griechischen Regierung unterstützt.
6 Monate in einer Wohnung, außerhalb des Camps.
Nur die Wohnungen, keinerlei finanzielle Unterstützung, da viele von ihnen bereits Asyl haben und monatelang auf die Dokumente warten mussten. 
Nach Ablauf der 6 Monate und Erhalt der positiven Bescheide sollen diese Familien die Wohnungen verlassen.
Mit nichts außer den Konventionspässen.
Kein Geld, keine Ansprechpartner*innen, keine Wohnungen, keine Schulplätze für die Kinder.
Wenn die Menschen auf’s Festland weiterreisen, wird ihnen Hilfe verwehrt. Man schickt sie bewusst und ohne Skrupel in die Obdachlosigkeit.
Etliche Asylberechtigte, die wir kennen, baten in Athen und Thessaloniki verzweifelt um Einlass in verschiedene Camps. Ausnahmslos wurden sie abgewiesen mit den Worten „there is no place, try it again in one or two months“.

So sind wir bemüht, einigen dieser Familien eine Wohnmöglichkeit zu bieten. 
In diesen Wohnungen werden die Menschen von uns betreut. 
Lebensmittelpakete
Babypakete
Homeschooling
Behördengänge
und vieles mehr.

Ein weiteres Projekt, das wir dank all Eurer Hilfe/Unterstützung realisieren konnten, ist eine Rechtsberatung.
Unsere Partnerin Nantina, Gründerin von DCI in Athen, wird gemeinsam mit ihren Kolleg*innen auf Lesbos tätig sein.
Neuanträge nach dem 2. negativen Bescheid für Menschen aus Kriegsgebieten werden genauso unterstützt wie Anträge von Schutzsuchenden, die neu auf der Insel landen. Nach der sehr gefährlichen Überfahrt über das Meer, bei der immer wieder Menschen, letzthin auch Kinder, sterben, ist es wichtig, dass der Asylantrag mit Hilfe einer Rechtsberatung gestellt werden kann.
Die Menschen sind oft so verzweifelt, erschöpft, dass sie ohne gute Beratung die eigentlichen Asylgründe zu wenig klar formulieren.
Es besteht seitens der Behörden natürlich kein Interesse, im Detail nachzufragen. 
Wir sind dankbar, dass wir mit DCI (https://defenceforchildren.org/dci-greece/) dieses Projekt realisieren konnten.

Weiterhin unterstützen wir auch:
MVI – Medical Volunteers International, die direkt im Camp und auch in Form von Hausbesuchen in den Wohnungen medizinische Hilfe leisten.

Wenn populistische Politiker*innen mit verantwortungsloser und grausamer Abschreckungspolitik die Rechte der Menschen beschneiden, müssen wir, die Zivilgesellschaft, etwas dagegenhalten.
Denn Menschenrechte betreffen uns alle und der Schmerz, der hier an den europäischen Außengrenzen zugefügt wird, den können und dürfen wir nicht akzeptieren.

Soweit von Lesbos.
In Kürze werde ich mich wieder auf den Weg nach Bosnien machen.
Bei unserem letzten Besuch mit unserem Kollegen Pero/SOS Balkanroute konnten wir hautnah erleben, wie dringend notwendig die Hilfe vor Ort seitens der Zivilgesellschaft ist.
Neben all unseren Bemühungen auch auf rechtlicher Ebene, mit Dialog oder Aktivismus gegen diese grausame und gegen Recht verstoßende Abschreckungspolitik vorzugehen, dürfen wir die Menschen vor Ort, in der Praxis nicht vergessen.

Dank vieler Bewerbungen außerordentlich engagierter Freiwilliger aus Österreich und Eurer finanziellen Unterstützung können wir sowohl auf Lesbos, als auch in Bosnien Menschen in Not unterstützen.
Danke dafür! 

In dieser politischen Katastrophe erlauben es unsere Herzen nicht, wegzusehen und die Betroffenen mit ihren grausamen Schicksalen alleine zu lassen. 
Wir können nicht die Welt retten, doch wir können doch Einiges zum Besseren wenden.
Danke herzlichst für Eure Unterstützung:

Flüchtlingshilfe/refugee assistance – doro blancke 
AT93 3842 0000 0002 7516 
Paypal: paypal.me/helfedorohelfen

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