Reise nach Tirol – Begegnungen mit Initiativen und Unterstützer*innen

Nach meiner Rückkehr aus Lesbos durfte ich einige Vereine und Initiativen in Österreich, vorwiegend Tirol, besuchen. Ich wurde begleitet von Mohamad Hussein, einem jungen afghanischen Rapper, der in Griechenland Asyl erhalten hat, weil wir es als wichtig empfinden, dass auch einmal Betroffene aus Griechenland zu den jeweiligen Themen erzählen können und dürfen.

Am ersten Abend nach unserer Ankunft waren wir sofort bei der Grünen Bildungswerkstätte in Wien eingeladen. Dort wurde der Film „IN MEMORIAM“ gezeigt, der von einer Freundschaft zwischen einem Geflüchteten aus Afghanistan und einer österreichischen Helferin handelt, die sich vor und nach dem Brand von Moria entwickelt. Neben Mo und mir waren auch die Regisseurin Elisabeth Pointner und Ariane Umathum vom Verein Region Neusiedlersee hilft zu einer Podiumsdiskussion dort eingeladen. Es ging um das Thema „Europa ohne Lager“, wie geht es weiter an den europäischen Außengrenzen, wie behandelt Europa Geflüchtete, etc. Ich konnte dort auch einen Beitrag leisten, indem ich wieder über die illegalen Pushbacks in Griechenland berichtet habe. Danach sind wir nach Hause nach Graz gefahren, wo wir ein/zwei Tage zur Ruhe kommen konnten – die Reise nach und zurück von Lesbos sowie die Arbeit vor Ort ist, obwohl sehr erfüllend, auch sehr kräftezehrend und anstrengend. Mo durfte dann mit Kid Pex auf der Friedensbühne am Donaufestival spielen. Da Mo selber Rapper ist, durfte er einen Song dort den Leuten zum Besten geben. Das hat ihn und uns sehr gefreut!

Während Mo in Wien war, bin ich nach Innsbruck gefahren. Am Bahnhof haben mich schon unsere lieben Freund*innen Peter Berger und Maresi Benedik abgeholt. Beide sind von So sind wir nicht, einer sehr engagierten und tollen Initiative in Tirol. Maresi selbst war schon dreimal bei uns auf Lesbos als Freiwillige und hat uns tatkräftig unterstützt.

Wir besuchten dann gemeinsam das FLUCHTpunkt-Fest – FLUCHTpunkt, ein Verein, der Hilfe und Unterstützung für Geflüchtete in Tirol anbietet, feierte 25 Jahre Vereinsbestehen. Es war ein wahnsinnig schöner und interessanter Nachmittag und Abend. Wir haben sehr viele Gleichgesinnte getroffen, z.B. Nik Neureiter von Wochenende für Moria, viele andere Aktive, Schwester Notburga, etc. Wir haben gemeinsam einen wunderbaren Abend gehabt. Ich durfte auch dort über die Sachlage in Griechenland berichten. Das freut mich immer sehr, da ich denke, dass viele Österreicher*innen wissen müssen, was an den EU-Außengrenzen im Namen von uns allen passiert, welche Verbrechen dort stattfinden.

Nach einem wundervollen Abend sind wir dann zu Maresi und Peter nach Hause gefahren, die beiden waren wunderbare Gastgeber*innen die Tage über, wir wurden von oben bis unten verwöhnt, bekocht, etc. Das hat irrsinnig gut getan. Sie leben oberhalb von Innsbruck in einer traumhaften Gegend und es war wirklich eine gute Zeit mit den beiden, das hat mich sehr gerührt und gefreut.

Am Sonntag waren wir von Schwester Notburga zur Sonntagsmesse eingeladen worden. Schwester Notburga ist als starke Aktivistin für Geflüchtete in Griechenland bekannt. Dort hatte ich auch die Möglichkeit, in der Kirche nach der Messe über die Situation auf Lesbos und generell in Europa zu berichten. Schwester Notburga und ihre Helfer*innen haben einen Stand vor der Kirche aufgebaut, es gab kleine Häppchen und etwas zu trinken, und wir konnten uns mit den anwesenden Menschen über die Situation austauschen.

Dann ging es weiter nach Reutte in Tirol. Dort gibt es die Initiative Hoffnung für Flüchtlinge, welche eine sehr starke Unterstützerin unserer Arbeit ist. Sie berichtet regelmäßig in ihrem Newsletter über unser Tun und unterstützt uns immer wieder mit großzügigen Geldspenden für Lebensmittelpakete. Dort wurde der Film „The Game“, welcher von den illegalen Pushbacks auf den Fluchtrouten in Europa handelt, gezeigt. Der Film ging uns alle sehr unter die Haut. Auch Mo war dabei, der mittlerweile von Wien nach Innsbruck nachgereist war. Der Film hat uns irrsinnig betroffen gemacht, auch wenn wir die ganzen Pushback-Szenarien aus Griechenland und Kroatien kennen. Wir waren ja selber auch bei SOS Balkanroute im letzten Herbst in Bosnien und haben dort mit vielen Menschen über die dramatische Situation gesprochen. Der Film berührt so sehr, weil einfach glasklar und sehr direkt über diese Verbrechen berichtet wird. Und dies in Bildern zu sehen, diese Dramen im Winter, die Familien obdachlos, Menschen geschlagen und misshandelt von der Grenzpolizei, das ist beinahe unerträglich.
Es gab nach der Vorführung noch eine Diskussion über die Pushbacks, im Speziellen diejenigen in Griechenland. Ich war sehr froh, dass die Zuschauer*innen so interessiert waren und viele gute Fragen gestellt haben.

Ausschnitt aus dem Film “The Game”

Wir wurden auch ganz zuvorkommend von der Initiative zu einem gemeinsamen Essen eingeladen. Es war sehr wichtig, dass wir uns begegnen und diese vielen engagierten Menschen einmal persönlich kennenlernen konnten. Einen innigen Dank an Luis Oberer, der diese Einladung initiiert und organisiert hat. Auch einen ganz herzlichen Dank an alle Beteiligten der Initiative.

Dann ging es in der Nacht noch zurück zu Maresi und Peter. Am nächsten Tag hatten wir einen freien Tag, da durfte ich dann in ihrem wunderbaren Haus mit dem Laptop auf der Terrasse sitzen und arbeiten. Maresi war in der Zwischenzeit so freundlich und hat Mo Innsbruck gezeigt. Die beiden sind ganz begeistert nach Hause zurückgekehrt. Ich habe in Innsbruck auch eine Stunde lang Bischof Hermann Glettler getroffen, der ja Vorstandsmitglied unseres Vereins ist, was sehr erfreulich war. Wir sind zwar immer im regelmäßigen Austausch, dennoch können Mails eine persönliche Begegnung einfach nicht ersetzen. Ich bin sehr dankbar, dass der Bischof sich so sehr für die Situation der Geflüchteten in Griechenland und Europa interessiert und sich auch immer wieder sehr klar positioniert und äußert, dass er sich wünscht, dass das Recht eingehalten und Herz gezeigt wird für Menschen auf der Flucht. Am nächsten Tag in der Früh ging es dann wieder nach Hause nach Graz.

Diese Begegnungen mit Initiativen und Vereinen sind ganz wunderbar, weil wir dann spüren, wie viele Menschen das eben nicht wollen, was die ÖVP immer behauptet, nämlich dass alle Österreicher*innen zustimmen, dass man die Außengrenzen so abschirmt. Doch ich bin davon überzeugt, dass viele nicht wissen, zu welchem Preis das geschieht, und das merke ich auch immer wieder, wenn ich mit so vielen Menschen in Kontakt trete und mit ihnen darüber sprechen kann. Die meisten reagieren wirklich sehr schockiert auf unsere Erzählungen, sind gerührt, können ihre Tränen kaum zurückhalten. Diese Brutalität, die an den Tag gelegt wird, wollen die wenigsten und können sich die wenigsten auch nur vorstellen, bevor man es ihnen so deutlich berichtet.

Allen einen innigen Dank, besonders vor allem unseren beiden Gastgeber*innen Maresi und Peter von So sind wir nicht. Danke auch für die gute Zusammenarbeit mit So sind wir nicht, der Initiative, die uns auch immer wieder mit Erzählungen in ihren Newslettern und Spendenaufrufen unterstützen. Und auch die praktische Arbeit von Maresi auf Lesbos – sie hat anklingen lassen, dass sie uns mal wieder besuchen wird und darauf freuen wir uns wirklich sehr, denn sie hat bisher immer großartig Arbeit geleistet für uns – möchten wir hier noch einmal loben und uns dafür bedanken!

Wenn man zurückkommt nach Graz und das alles so an sich gedanklich vorüberziehen lässt, in Erinnerungen schwelgt, dann sind wir immer sehr dankbar, dass wir solche Einladungen bekommen. In diesem Sinne einen herzlichen Dank an all jene, die unsere Arbeit auf Lesbos unterstützen. Wenn Ihr Euch mehr informieren wollt, könnt Ihr Euch gerne zu unserem Newsletter auf unserer Webseite anmelden.

Wir freuen uns über jede noch so kleine Spende!

Flüchtlingshilfe/refugee assistance – Doro Blancke
IBAN: AT93 3842 0000 0002 7516
Oder über Paypal: paypal.me/helfedorohelfen

Herzlichen Dank!!
Doro und Team

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