In 2 Wochen fliege ich wieder nach Lesbos….mein Herz ruft!

Doro Blancke Allgemein, Lesbos - Moria Kommentieren

Am 30. Oktober fliege ich gemeinsam mit Helga Longin wieder nach Lesbos und ich bin sehr dankbar, dass das möglich ist.

Seit ich vor 1 Woche zurück gekommen bin habe ich mich vielen Gesprächen, Diskussionen gestellt, unzählige Fragen beantwortet, manche auch bis heute unbeantwortet gelassen. Eigentlich bräuchte ich dafür administrative Unterstützung, ich darf bitte daran erinnere, dass ich all meine Arbeit ehrenamtlich mache, ich bitte also diesbezügliche Versäumnisse zu entschuldigen.

Seit ich zurück bin haben mich aber auch sehr verzweifelte Whatsapp Nachrichten von Betroffenen erreicht. Es hat geregnet, stark geregnet!

Die Zelte standen zum Teil unter Wasser, es gibt immer noch keine Duschen, sich im Meer zu waschen ist auch im Sommer eine Zumutung. Essen, wie von Beginn an nur 1 x pro Tag und in einer Qualität, wenn man das überhaupt so nennen will, die vielen Schutzsuchenden große Magen- und Darmprobleme bringt.

Die Frauen und Mütter haben immer noch nicht genug Hygieneartikel für sich und ihre Kinder, nicht genug Essen, von Windeln und Milchpulver ganz zu schweigen.

Jugendliche, Alleinreisende werden zusammen in großen Zelten untergebracht, mit Betten zwar, doch gerade der in diesem Alter so dringende seelische Beistand, speziell nach all ihren Verlusten bleibt ihnen verwehrt. Etliche von ihnen wurden in Moria missbraucht, gedemütigt, an lässt sie alleine mit ihren Ängsten, Sorgen mit ihrer Trauer, auch mit ihrer Wut.

Menschen die krank sind, Behinderungen haben leben anonym in der Masse. Helga und ich begegneten persönlich einem jungen Mädchen, die sich nur durch ihr Zelt robben kann. Wir brachten ihr Windeln und werden es wieder tun, denn keiner fragt sich, wie kann dieses Mädchen je eine Toilette aufsuchen, ev. noch in der Schlange stehen, bis eine Toilette frei ist.

Es gibt immer noch keine offizielle Registrierung der Diabetiker*innen und keine spezielle, auf diese Krankheit ausgerichtete Ernährung.

Aus einem Aufang- und Registrierungscamp wird zum 2. Mal ein Camp in dem Menschen erbarmungslos als „Schutzschild für Europa“ missbraucht werden und wir alle zu den Schlächter*innen derer Seelen werden, denn „Schweigen ist der salonfähige rote Teppich für Menschenrechtsbruch“.

Lesbos hat sich aufgebäumt zu unserem Herzen, dem Herzen der EU, somit auch zum Herzen von uns Österreicher*innen. Ich denke wir sollten nicht warten, bis es kollabiert, an einem Herztod stirbt.

Der Bundeskanzler blieb bis heute bei seiner strikten Ablehnung, Menschen aus Lesbos aufzunehmen. Beinahe diktatorisch vertritt er diese Ansicht, ohne auf die unzähligen Rufe nach sofortiger Aufnahme, aus der Zivilgesellschaft einzugehen. Diskussionen um Menschenrechte mit den jeweiligen Verantwortlichen sind in unserem Land nicht mehr möglich. Man dialogisiert leichter mit Ungarn, usw., als mit der eigenen Bevölkerung. Um die „Richtigkeit“ des Tuns gut zu verkaufen verpulvert man Millionen von Euros und lehnt sich dann entspannt und siegessicher vorm Schönbrunner Elefantengehege zurück.

Vernunft sagt uns, wir sollen nichts miteinander vergleichen, uns nicht auseinander dividieren lassen. Hier braucht es konsequent viel Mut zur Liebe und Stärke um zu verstehen, warum die beiden Regierungsparteien Menschen, 3 Flugstunden von uns entfernt im größten Elend darben lassen, wenn wir doch alle wissen, dass wir diese Aufnahmen von Menschen in größter Not leisten könnten. Wir wissen auch aus Erfahrung, dass noch nie in den letzten Jahren eine Einsparung bei Asylsuchenden unmittelbar den Österreicher*innen zu Gute gekommen wäre. Der einzige Effekt, den diese massiven Ablehnungen gegen Menschen auf der Flucht mit sich bringen kommt den Türkisen zu Gute. Sie können beinahe salonfähig ihre rechte Politik ausüben, bekommen durch den Zuwachs der ehemaligen FPÖ Wähler*innen mehr Parteiförderung, die dann entweder in Gnadenakten „verschenkt“ wird, oder aber mit Hundertausenden Von Euros die Werbekasse vom Bundeskanzleramt füllt.

Unsichere, oder sehr betroffene Menschen fragen immer wieder, wie es uns mit unserer Hilfe, die im Prinzip wahrhaftig ein „Tropfen auf dem heißen Stein ist“ geht. Hier gerne meine Gedanken dazu:

Wir können niemals die Welt retten. Im Moment offensichtlich nicht mal 12.000 Menschen aus ihrem unvorstellbarem Elend befreien. Doch wir können vor Ort täglich Mütter mit ihren Kindern Windeln, Milchpulver, Fläschen geben, wir können Menschen Schuhe geben, Essen, warme Jacken. Jeder Mensch, dem wir vor Ort begegnen zählt und ist diesen Flug wert. Mehr als das! Durch die Anwesenheit von uns, von all jenen, die nach Lesbos fliegen und sich mit dem Grauen vor Ort auseinandersetzen, spüren die Betroffenen dass sie nicht vergessen sind. Dass es Menschlichkeit, Anteilnahme und Liebe für sie gibt auf diesem Kontinent. Dass es Menschen in Europa gibt, denen sie und ihre Rechte wichtig sind. Auch wenn es lächerlich scheint und ein Tropfen auf dem heißen Stein, das ist es was ich für unser aller Gemeinschaft wünsche. Gegenseitige Zuwendung, nicht nur in der Freude, auch in der größten Not.

Jetzt naht der Winter!

Wenn die europäischen Staaten, auch Österreich sich nicht für eine großzügige Aufnahme entscheiden, dann werden wir in 30 Jahren, bei teuren und salbungsvollen Festakten wieder #NieMehrWieder im Mantra „beten“. Doch wir, alle die wir jetzt vor Ort waren werden wissen, dass es nicht an einer tödlichen Diktatur lag, dass wir nicht geholfen haben, sondern an einem Bundeskanzler, der seine eigenen Ziele verfolgt und all jenen Menschen, die es zwar so wie alle gewusst haben, doch aus welchen Gründe auch immer, es geschehen ließen.

Ich versuche aufrichtig in der Liebe zu bleiben, doch diese grausamen politischen Spiele und diese bodenlose Ignoranz fordern mich extremst.

Am 30. Oktober fliege ich wieder nach Lesbos. Mein Herz ruft und mein Verstand bekräftigt mich, das Richtige zu tun. Ich danke allen, die dies unterstützen, begleiten, mich stärken und mir Liebe schenken, von ganzem Herzen.

Wir werden wieder dokumentieren, berichten und freuen uns sehr, in großer Dankbarkeit über jede finanzielle Unterstützung für unsere #HilfeVorOrt #DirektZuDenMenschen

Doro Blancke, AT93 3842 0000 0002 7516 Betreff: Lesbos

In Verbundenheit,

Doro

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