Arbeitsalltag – Lesbos – RIC Camp

Doro Blancke Lesbos - Moria Kommentieren

Seit 30. Dezember 20 bin ich in wieder auf Lesbos. Um die Sicherheit aller zu gewährleisten war ich trotz negativem PCR Test hier nochmals 3 Tage in Quarantäne. Nachdem nach diesen Tagen der Corona Test auch hier in Mytelini negativ war begann der Arbeitsalltag.

Zuerst einmal fuhr ich mit unserer Partner NGO #HomeForAll ins Camp und musste zu meinem großen Bedauern feststellen, dass immer noch keiner der Verantwortlichen, sei’s die EU, einer der Mitgliedstaaten, oder Griechenland selbst eine Verbesserung für die Schutzsuchenden erwirken konnte. Aus meiner anfänglich geplanten ersten #Katastrophenhilfe scheint also doch ein größeres Projekt zu werden. Viele Menschen unterstützen mittlerweile unseren Verein “Flüchtlingshilfe-refugee assistance-doro blancke” und sehen, dass ihre Unterstützung bei all unseren Projekten direkt bei den Menschen landet.

Dank #HomeForAll, die seit einigen Tagen die dauerhafte Bewilligung zum Campeintritt hat, können wir zu jeder Zeit ins Camp um für die Schutzsuchenden zu arbeiten.

Um hier aktiv und effizient helfen zu können braucht es ein gutes Team. Wir haben aus Österreich bereits im Herbst 1 LKW voller Sachspenden bekommen. Helga Longin, die mit mir bereits im September das erste Mal auf Lesbos war und die Arbeit im Warehouse dankenswerter Weise übernommen hat, musste wie andere auch feststellen, dass es mehrere Menschen braucht, die hier quasi mehrere Wochen einen 40 std. Job machen, um die Ladungen soweit auf Vordermann zu bringen, bis man pro Tag zw. 20-30 Familien, alle Familienmitglieder beliefern kann.

Warehouse:

Wir haben dieses Team gefunden. Susi, Luna und Konstantin aus Wien, 3 großartige junge Menschen. Vor Weihnachten haben sie ihre Arbeit hier aufgenommen und alles “auf den Kopf” gestellt. Nach meiner Rückkehr erkannte ich das Warehouse nicht mehr wieder. Alles war sortiert, Jacken, Hosen, Shirts, Kinder, Frauen, Babys, alles in jeweils eigenen Kartons nach Größe zusammensortiert. Was nicht zu verwenden war aussortiert. Jetzt konnte die effiziente Verteilung von gebrauchtem Gewand losgehen. In den letzten Tagen hole ich täglich mit Panayotis, der den VAN fährt die vorgefertigten Kleiderpakete im Warehouse ab und wir führen sie ins Camp, wo bereits unsere Volunteers warten. Ich danke den 3en von ganzem Herzen, ohne ihr Tun wären wir nicht in der Lage den Menschen so umfangreich zu helfen.

Volunteers

Wir sind wirklich dankbar und glücklich darüber auf die Unterstützung von so vielen guten Volunteers zählen zu dürfen. Schutzsuchende, die wir bereits von unserer Arbeit aus den “jungles von Moria” kennen, die uns verlässlichst begleiten und zum vereinbarten Treffpunkt im Camp kommen, wann immer wir sie brauchen. Herzlichen Dank an sie, denn auch sie sind ein wesentlicher Teil dieses großen WIRs, ohne sie wäre unsere Arbeit nicht möglich. Bei mehr als 1000 Zelten, mit jeweils 2 Familien, teils schlammigen Wegen, 7500 Menschen, muss man, will man echte Hilfe leisten eine Struktur aufbauen. Wir sind dankbar, dass uns dies gelungen ist. Wir haben 2 Warehouses angemietet, haben Dank Euch #HomeForAll mit ca 60.000 Euro unter die Arme greifen können und wir haben uns in vielen Stunden und auch einigen Rückschritten Gedanken darüber gemacht, wie wir am effizientesten arbeiten können. Denn all die Dinge, die wir eingekauft, bestellt haben, wie Thermoskannen, Regenjacken, Solarduschen, Masken, Schuhe, Pampers, Babymilch, uvm, die wir den Volunteers zum “ausliefern” geben, müssen am richtigen Ort ankommen.

Eine App für die Bedürfnisse der Schutzsuchenden

Fayad Mulla, der mich auch die nächsten Monate hier vor Ort unterstützen wird, bereits große Caritas Unterkünfte in Österreich gemanagt und auch im Irak bei einem Projekt mitgearbeitet hat, hat eine Lösung konzipiert. Er entwickelte speziell für hier eine App. Die Verteilung vom VAN aus führte immer wieder zu nicht erlaubten, großen Menschenansammlungen. Es gab keine Übersicht, wer hatte schon, wer braucht genau was. In einer so schwierigen, unfassbar traurigen Situation, in der es den Menschen permanent an den Grundbedürfnissen fehlt, ist Gedränge und Ungerechtigkeit bei den Verteilungen vom VAN aus kaum zu vermeiden. Fayad war es von Anfang an ein großes Anliegen, diese Herausforderung so gut wie möglich zu meistern. Es ist ihm gelungen und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Die volunteers im Camp fragen täglich eine gewisse Abteilung im Camp nach den Bedürfnissen ab. Sie gehen von Zelt zu Zelt und geben von jeder Familie, Personenanzahl, Kleidung- und Schuhgrößen, Neugeborenes, Status (wichtig wegen Food bags, Asylberechtigte erhalten außer einer gekochten Mahlzeit am Tag keinerlei finanzielle Unterstützung mehr) die Daten in diese App ein. Diese Informationen werden dann mit der Zeltnummer direkt zu Susi, Luna und KOnstantin ins Warehouse geschickt, wo sofort mit dem Abpacken begonnen wird. Am nächsten Tag kann ich bereits alles zum Ausliefern abholen.

In den kommenden Tagen liefert uns “der Wandel” 4 Trucks direkt nach Lesbos, zu Home for All. Wir werden 2 weitere Warehouses anmieten und 1 davon wird nur für Lebensmittel benützt, die bereits in Österreich so arrangiert wurden, dass wir für jede Familie im Camp ein Foodbag und liefern können.

Vieles hier auf Lesbos ist Organisation. Tàglich einkaufen, Dinge besorgen, wie Wasserkocher, Thermoskannen, Pampers, was anhand der Mengen auf einer Insel und besonders im Lockdown eine große Herausforderung ist. Auf die 1200 bestellten Solarduschen warten wir bereits mehrere Wochen. Man darf hier keine romantische Vorstellung haben. Die persönliche Arbeit mit Schutzsuchenden bei uns zuhause ist etwas vollkommen anderes. Hier geht es um extrem viel Organisation, der persönliche Kontakt zu den Menschen beschränkt sich auf ca. 2 Stunden p. Tag. Doch diese Zeit nützen wir intensiv, um den Menschen auch Wärme und unsere Verbindlichkeit zu ihnen und ihrer Situation zu vermitteln.

Projekte

Nachdem in den nächsten Wochen einige hundert Familien und Alleinreisende ihren Aufenthaltstitel erhalten werden und diese dann in GRiechenland ohne Grundversorgung, vollkommen auf sich alleine gestellt in die Obdachlosigkeit gedrängt werden, sehen wir auch hier eine menschliche Verpflichtung. Gemeinsam mit Home for All werden wir darüber nachdenken und es gibt bereits Ideen die Anlass zur Hoffnung geben.

Ein Wort an die österreichische Bundesregierung

Ich finde es zu tiefst beschämend, dass es trotz Bitten von so vielen Persönlichkeiten, Gemeinschaften, zahlreichen Vertreter*innen der Zivilgesellschaft rein am politischen Willen gescheitert ist, 100 Familien aus diesem Elendslager, dieser zutiefst menschenverachtender Situation aufzunehmen. Ein Akt, der sowohl Größe und menschliches Verantwortungsbewusstsein der Verantwortlichen zeigen würde, als auch etwas einleiten würde, was dringend notwendig ist, die Evakuierung des Friedhofs der europäischen Würde. So dürfen wir in Europa Menschen weder unterbringen, noch demütigen.

Abends gehen wir oft sehr müde ins Bett und meine Gedanken sind bei den Schutzsuchenden, die die kalte Nacht in ungeheizten Sommerzelten verbringen müssen. Frauen, Männer und Kinder.

Danke für jede Unterstützung

Flüchtlingshilfe Doro Blancke, AT93 3842 0000 0002 7516

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