Bischof Hermann Glettler: „Wie glaubwürdig sind wir“

Auch unser Vorstandsmitglied Bischof Hermann Glettler gibt ein sehr kluges und wichtiges Statement zur bevorstehenden Abschiebung des Geschwisterpaars Victoria und Joseph ab.

Seinen Gedanken/Worten ist nichts mehr hinzuzufügen.

Hier könnt ihr unterstützen 

https://mein.aufstehn.at/petitions/joseph-und-victoria-sollen-in-osterreich-bleiben

Viele österreichischen Medien berichten darüber, auch der ORF

https://tirol.orf.at/stories/3348316

Statement von Bischof Hermann Glettler zum Abschiebefall von Victoria und Joseph Oshakuade

Integration ist kein Bonus, den man nach Gutdünken verteilt – sie ist ein Dauerauftrag. An Staat, Gesellschaft und jeden Einzelnen. Und an diesem Auftrag entscheidet sich, wie ernst wir es meinen mit unserer Glaubwürdigkeit als Rechtsstaat und als menschliche Gemeinschaft.

Victoria und Joseph Oshakuade sind der lebendige Beweis dafür, dass Integration gelingt. Sie kamen vor mehr als acht Jahren als Minderjährige nach Österreich, sind hier aufgewachsen, haben ihre Schulbildung abgeschlossen, stehen in Ausbildung und Studium, arbeiten und engagieren sich ehrenamtlich – und übernehmen längst Verantwortung für unsere Gesellschaft. Ihr Lebensmittelpunkt ist klar: Tirol, ihre Beziehungen, ihr konsequenter Bildungsweg, ihr vorbildliches soziales Engagement. Sie verkörpern gelungene Integration.

Und trotzdem droht ihnen die Abschiebung. Seit einiger Zeit bangen sie um ihre Zukunft. Eine Ungewissheit, die nicht sein darf. Wer über Jahre hinweg alles tut, was Integration scheinbar verlangt, wer Verantwortung übernimmt, wer Teil unserer Gesellschaft wird, darf nicht so behandelt werden, als sei all das bedeutungslos. Es ist nicht nur unverständlich – es ist ein Affront gegen alles, wofür unser Land stehen sollte.

Die breite Solidarität von tausenden Menschen, die nun ihre Stimme erheben, ist der beste Beweis: Victoria und Joseph, die im Alter von 13 und 15 Jahren ins Land kamen, gehören längst zu uns. Österreich würde mit ihrer Abschiebung zwei junge Menschen verlieren, die das Potenzial haben, unser Land zu stärken.

Humanitäres Bleiberecht ist kein theoretischer Paragraph. Es ist genau dafür geschaffen, Menschen zu schützen, deren Leben hier fest verwurzelt und unwiderruflich aufgebaut ist. Eine Abschiebung von Victoria und Joseph hätte nicht nur einer fahrlässige Verletzung zweier Lebensgeschichten zur Folge – sie wäre auch ein Signal der Härte: dass selbst perfekte Integration keine Zukunft ermöglicht, dass Engagement, Bildung und soziale Verantwortung keine Gründe sind, in diesem Land bleiben zu dürfen.

Das darf nicht passieren. Nicht in unserem Land. Nicht jetzt, wo wir längst schon die dramatischen Auswirkungen eines demographischen Winters vor Augen haben. Wer wird denn in Zukunft unser soziales System stützen? Von den Mangelberufen ganz abgesehen, in denen jede konstruktive Kraft gefragt ist.

Ich appelliere deshalb zusammen mit vielen an die politisch Verantwortlichen: Nutzen Sie die Möglichkeiten, die das Gesetz bietet! Treffen Sie eine Entscheidung, die menschlich gerecht und nicht nur formal korrekt ist. Ermöglichen Sie Victoria und Joseph, in ihrer Heimat Österreich zu bleiben – in ihrer neuen Heimat, die sie wertschätzen und längst schon positiv mitgestalten.

Am Ende geht es auch nicht nur um zwei betroffene junge Menschen. Es geht um die Glaubwürdigkeit unseres Rechtsstaates. Es geht um das Vertrauen in unsere Gesellschaft. Es geht darum, welches Österreich wir sein wollen: eines, das Menschen schützt, die hier leben, lernen, arbeiten und Verantwortung übernehmen – oder eines, das seine eigenen Prinzipien verrät und sich damit selbst schaden möchte.

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