Frohe Weihnachten und guten Rutsch

Wir arbeiten mit Menschen, die alles, was sie je geliebt haben verlassen mussten. Alles, was ihnen vertraut war, was sie geformt hat, wo sie ihre Wurzeln haben.

Manche von ihnen landen bei uns auf der Suche nach einem Platz, einer Herberge, oder Menschen, die ihnen das Gefühl vermitteln, sie könnten hier Heimat finden. Sie willkommen heißen, begleiten bei den ersten Schritten des Bleibens. Das suchen sie.

Und dann erlebe ich zeitgleich in Europa auch so viele suchende Menschen.

Wir rasen dahin, sind oft zu müde, Freund:innen anzurufen. Vielerorts die Aussage: „Wie soll ich das alles schaffen?“. Statt die Liebsten zu treffen, doch lieber mal nur ganz alleine zuhause, Spazierengehen, unter die Decke, durchatmen. Ich nehme eine intensive Erschöpfung wahr. Das permanente „Wischen“ an den Telefonen, beobachtet man die Menschen im öffentlichen Raum, spricht Bände. Das Rad dreht sich – viel zu schnell. Viele von uns sind auch Suchende.

Eine interessante Frage, was suchen wir eigentlich? Ist es etwas das uns vorenthalten wird, oder etwas, das wir uns selbst nicht zugestehen, nicht nehmen?

Geborgenheit, Vertrautheit, was die Politik schamlos als Sicherheit betitelt, um damit aufzustacheln. Viele suchen Gemeinschaften, andere, den Sinn, die Liebe, Wertschätzung, den eigenen Namen zu hören. Doch das Rad dreht sich so schnell, es ist schwierig auszuharren, zu beobachten, sich zu verweben.

Für uns und die Menschen auf der Flucht.

Ist es vermessen, wenn ich sage, ich nehme eine kollektive Erschöpfung und auch Trauer wahr? Bei den Geflüchteten und bei uns.

Ich spüre in vielen Gesprächen, dass es Menschen gibt, die nicht in der Lage sind, die Gewalt, diese unbegreifliche Grausamkeit, mit der wir die Festung Europa verteidigen, richtig einzuordnen. Auch wenn sie diese zutiefst ablehnen.

So suchen wir alle Herberge, in Mitmenschlichkeit,  im Erbarmen, in der Güte, in uns selbst, oder im Luxus, im Alkohol, oder in der Depression. Es ist nicht so weit weg von der Welt der Geflüchteten, wenn wir es verstehen wollen.  

Mein großer Weihnachtswunsch wäre, dass wir, als Verein, NGOs, diese Arbeit nicht mehr machen müssten. Weil Politik in unserem Namen die Verantwortung übernimmt. Ich bin überzeugt davon, wir alle würden darin vieles finden.

Doch Politik tut das nicht, weder für uns noch für die Menschen auf der Flucht.

Also arbeiten wir weiter, in der Hoffnung, die tief in uns lodert, dass es eines Tages gerechter wird. Bis es so weit ist, feiern wir Weihnachten, das Fest der Liebe und versuchen nach dem Fest in dieser Liebe weiterzugehen.

Für uns alle. In diesem Sinne wünschen wir euch/ihnen ein wunderbares Fest, liebende Menschen um sie/euch, oder in der Stille, ganz wie es für sie/euch gut ist. Vielleicht denken wir einen kurzen Augenblick aneinander in diesen Tagen, in Menschlichkeit verbunden, Menschlichkeit, die uns bewegt und dadurch gemeinsam viel bewegen lässt.

Ein frohes, gesegnetes Fest und viel Gutes um euch und uns herum und danken euch herzlich für die großartige Unterstützung.

Doro Blancke, Vorstandsmitglieder und Team

Flüchtlingshilfe refugee assistance doro blancke

Wenn Weihnachten so voller Fülle war, dass man in der Lage ist, etwas von dieser Fülle weiterzugeben, dann wären wir sehr dankbar. Denn wir möchten unbedingt, gerade weil wir die Situation an den Außengrenzen Europas, in Griechenland/Lesbos nur zu gut kennen, auch 2026 bleiben können und dafür brauchen wir ihre/eure finanzielle Unterstützung. Es geht um Menschenrechte und es geht um Würde, um unser aller Würde.

Herzlichen Dank

Doro und Team

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