2021 – machen WIR es aktiv zum Jahr der Menschenrechte

Doro Blancke Allgemein 1 Kommentar

2020 war ein bewegtes Jahr. Eine große Herausforderung für uns alle. Covid19 hat uns gezeigt, wie verletzlich wir sind, wie wichtig Zusammenhalt und wie wichtig verantwortungsvolle, visionäre Politik für uns alle wäre.

Für mich persönlich war das Jahr ein sehr beeindruckendes und es brachte auch viel Gutes mit sich. Nach 6 Jahren ehrenamtlichem Engagement für Schutzsuchende in Österreich, durfte ich die Einbettung in einen Kreis von konsequenten Unterstützer*innen erfahren. Darunter auch jahrelange Freund*innen. „Flüchtlingshilfe-refugee assistance -doro blancke“ wurde „geboren“. Mein großer Dank geht diesbezüglich an die Vorstandsmitglieder und Gründer*innen Rainer Beck, Wolfgang Benedek, Hermann Glettler, Birgit Hernady, Heidrun Primas, Katharina Purtscher und Christoph Riedl. Dass in den nächsten Monaten eine Anstellung daraus hervor gehen wird erleichtert mich ungemein, denn ich wollte und will diese Arbeit nicht mehr verlassen, obwohl dieses Ehrenamt diesbezüglich eine große Herausforderung war und ist. Hier auch meinen verbindlichsten Dank an Christian Reder/Reder Foundation, der diese Anstellung finanziell unterstützen wird. Und an meine Kinder und meine Familie und engsten Freund*innen, denn auch sie haben das mitgetragen.

Die Themen, die mir seit Jahren am Herzen liegen, Menschenrechte und gute Einbettung von und für Schutzsuchende werden weiterhin die Hauptthemen bleiben.

Keine Abschiebungen in Hochrisikogebiete wie Afghanistan, Projekte bei denen gegenseitiges Kennenlernen von Asylwerber*innen, Asylberechtigten und Österreicher*innen möglich gemacht wird und die Unterstützung bei der Vernetzung von angemessener Rechtsberatung, wobei wir da automatisch bei der BBU – Bundesbetreungsagentur landen, die eine unabhängige Rechtsberatung in der Praxis quasi unmöglich macht und die Isolation der Schutzsuchenden auf schmerzhafte Art und Weise perfektioniert. https://www.fairlassen.at/ Auch hier meinen herzlichen Dank an die Kolleg*innen der Diakonie, Asylkoordination, Volkshilfe, Integrationshaus, SOS Mitmensch, Fairness-Asyl, Caritas für die gute und konsequente Zusammenarbeit. Wir alle wissen wie wichtig die Arbeit gegen diese bewusste Isolation von Asylwerber*innen ist.

Der Brand im größten Flüchtlingslager der EU Außengrenzen #Lesbos #Moria hat vieles in mir verändert. Wir NGOs forderten schon lange eine Evakuierung von Moria. Einem Erstaufnahmezentrum für Schutzsuchende auf Lesbos, das bereits vor dem Unglück ein Ort des Grauens war. Ursprünglich für 3000 Menschen konzipiert, stopfte man bis zu 23.000 Frauen, Männer, Kinder hinein. Sich sehr wohl der „hässlichen Bilder“ bewusst, doch irgendwie fehlte es wohl allen Verantwortlichen an Sensibilität, an Mitgefühl und Anstand um dieses menschliche Drama zu beenden.

Im September, unmittelbar nach dem Brand, als ich hörte dass 1000ende Menschen ohne Obdach, ohne Verpflegung, ohne Hoffnung auf der Straße, in den Hügeln von Moria waren, machte ich mich auf den Weg.

Ich hatte weder viel Geld, noch einen „Plan“. Irgendetwas trieb mich an. In Österreich darüber zu debattieren schien mir nicht mehr genug. Wie dankbar bin ich heute, dass ich diesem Instinkt gefolgt bin und darüber, wieviel Unterstützung wir erfahren durften. Dass ich Zeitzeugin eines des größten Verbrechens an Menschenrechten bin, ist eine große Bürde, ein Motor für mein Tun. Denn hier auf Lesbos tritt man Menschenrecht nicht verdeckt, wie an vielen anderen Orten unseres angeblich zivilisierten Europas mit Füßen. Es passiert ganz offen, beinahe ungeniert und die Rechtspopulisten der verantwortlichen Mitgliedstaaten buhlen scheinbar um die Wette, wer die salonfähigste Legitimierung formuliert. Plätze wie Moria, jetzt KaraTepe reißen Wunden in unser aller System, die Jahre brauchen, bis sie zu heilen beginnen.

Ich durfte auf Lesbos unsere jetzige Partner NGO Home for All kennen und schätzen lernen. https://homeforall.eu/ Katarina und Nikos sind nicht nur mir ein Beispiel für Nächstenliebe, Mitgefühl und gelebter Solidarität. Mit ihnen gehen wir direkt zu den Menschen ins Camp, direkte Hilfe vor Ort leisten. Und dies, gemeinsam mit den beiden in einer Art und Weise, die genauso die Nöte der Gegenwart, wie die Gestaltungsmöglichkeiten der Zukunft im Auge haben .

Dank unglaublich vielen Menschen der Zivilgesellschaft, dank anderen NGOs, Dank Initiativen wie Courage-Mut zur Menschlichkeit, Dank Persönlichkeiten aus allen verschiedenen Bereichen des Landes, den Glaubensgemeinschaften, dank vielen Journalist*innen , dank dem Herzensbewusstsein von unzähligen Österreicher*innen wurde aus meinem ersten Besuch im September eine Mission. #EvakuierungJetzt lautet die Forderung. Dieses WIR, dass anscheinend so selbstverständlich in unserem Land für diese Forderung gewachsen ist, das beeindruckt und beglückt mich sehr. Es ist eine Forderung, die der Bundeskanzler in seiner Härte, in seiner Konsequenz nicht ewig wird aussitzen können und von der ich weiß, dass sich die Mehrheitsgesellschaft in Österreich nicht mehr abbringen wird lassen. Denn das Bild zu Schutzsuchenden hat sich verändert. Unsere Gesellschaft beginnt zu verstehen, was „hässliche Bilder“ in der Realität bedeuten und dass wir trotz dem Wunsch nach geregelter Aufnahme keinesfalls diese gelebte Grausamkeiten an Menschen akzeptieren wollen. Es würde Europas, unser aller Würde begraben, würden wir das schweigend hinnehmen. Wir sind mitten in diesem Prozess des Widersprechens und des wieder sprechen. Wir sind als Gesellschaft in einem Lernprozess der, davon bin ich überzeugt unseren Kindern in Erinnerung bleiben wird. Viele von uns sind in den Handlungen des aktiven Widerstands noch unsicher, doch WIR gehen gemeinsam Stück für Stück voran. Wir entwickeln jetzt gemeinsam das soziale Europa. Auch unser Bundeskanzler wird das früher, oder später zur Kenntnis nehmen müssen. WIR spüren gemeinsam den Herzschlag von Recht und Unrecht und die Freiheit Nein zu sagen, zur bewussten Demütigung von Menschen in Not.

Bis die Zeit kommt, dass wir die vielen Familien, die Menschen auf der Flucht aus diesen Elendslagern, dem Ort des Grauens und der Schande befreien können, geben wir unser Bestes für reale Hilfe vor Ort.

Dank all Euren zahlreichen Unterstützungen, Eurer unglaublichen Bereitschaft zu helfen konnten wir in den letzten Monaten mit 60.000 € unsere Partnerorganisation HomeForAll unterstützen. Sie liefern täglich bis zu 1200 warme Mahlzeiten an Schutzsuchende. 21.000€ für Unterkünfte für Asylberechtigte, die in Griechenland 1 Monat nach ihrem positiven Bescheid (Europa spricht ihnen Schutz zu) mittellos auf der Straße stehen, bereitstellen. 17.619€ für Solarduschen, Regenjacken, elektr. Kochtöpfe, Masken, alles direkt für die Menschen ins Camp und weitere 20.000 € für Lebensmittelpakete, Newborn Bags, Medikamente, Wundsalben, Schuhe, Windeln, Schul- und Zeichenmaterialen. Wir sagen von ganzem Herzen DANKE!

Jetzt bin ich seit vorgestern wieder hier auf der Insel. Und für alle, die enttäuscht waren, dass wir über Weihnachten abgereist sind. Auch das gehört zum soliden Helfen. Dazwischen einen Schritt zurück gehen, achtsam zu uns selbst, Kraft tanken und neu sortieren.

Das habe ich/wir getan. Dank einer wunderbaren Kampagne von Rudi Fussi #HelfeDoroHelfen, der Unterstützung von Persönlichkeiten und Euch, der Zivilgesellschaft und ihren Initiativen können wir noch einmal, bei der Versorgung für das Notwendigste mitarbeiten. Können wir wieder Newborn Bags verteilen, food bags für Familien, Lern- und Spielmaterialien für Kinder, Schuhe, warme Kleidung, usw. Menschen für Menschen. Können wir uns mit nachhaltigen Projekten, gemeinsam mit Home for All für Asylberechtigte beschäftigen. Die Familien, die Menschen gehören so schnell wie möglich aus diesem Elendscamp heraus.

Ich werde wieder regelmäßig über unsere Aktivitäten berichten, Euch an den Projekten, an unserem gemeinsamen Tun, an diesem WIR teilhaben lassen. Die Tage hier, dieses Elend, diesen Schmerz, auch unser aller Hilflosigkeit, die wir dazwischen verspüren, der emotionale Stress, den diese grausame Abschottungspolitik verursacht, das ist nicht einfach, menschlich eine große Herausforderung. Doch das Bewusstsein, wieviele Österreicher*innen sich in diesem Konglomerat der Nächstenliebe, des nicht Hinnehmen wollen eingereiht haben, erfüllt mich/uns mit großer Dankbarkeit und verleiht uns Kraft, die nur ein Kollektiv schenken kann. Ein herzliches Danke und in aufrichtiger Verbundenheit, Doro

Jede Sekunde, die wir hier arbeiten ist übertitelt mit der Forderung „Evekuierung“ #Courage #Menschenrechte

Trauen wir es uns zu! Wir können die Menschen aus diesem Elend retten, denn die Kraft und der Mut unseres WIR macht es möglich.

Wer weiterhin unterstützen will

AT93 3842 0000 0002 7516, Betreff: Projekte Flüchtlingshilfe oder paypal #HelfeDoroHelfen

Kommentare 1

  1. Dieses Elend betrifft mich sehr! Der Todestag meines Mannes ist am 22. Jänner. Ich habe an dem Tag immer eine Messe ausbezahlt, diesmal werde ich den Betrag an euch überweisen

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