Gedanken für A. – Ende von Eid in Afghanistan

Ahmad Jan, mein lieber Freund.

EID ENDE IN AFGHANISTAN

Heute erreicht mich Dein Anruf voller Panik, Todesangst. Die Feiertage von Eid enden heute um Mitternacht und somit auch der vereinbarte Waffenstillstand  in Afghanistan.

Viele Menschen kamen in die Städte um gemeinsam das Eid Fest zu feiern. So auch viele Talibans. Sie zeigten sich offen, in ihrem traditionellen Gewändern, mit ihren Waffen. Es war Waffenstillstand vereinbart. Doch heute Abend um 12 Uhr Mitternacht endet diese Vereinbarung. Viele unschuldige Menschen in den Städten, so wie Du auch sind in großer Angst. Jetzt sind die Taliban da, in der Stadt und ihr seid überzeugt einige (viele?) werden ihnen folgen. Und es werden vermehrt Anschläge und Attentate passieren.

Ach Ahmad, was soll ich Dir raten. Klar wie immer, deinen Unterschlupf nicht zu verlassen. Doch was ist das für ein Leben, wie soll das alles weiter gehen? Wir arbeiten hier in Österreich weiter an deinem Fall, doch ich weiß genau wie furchtbar das Warten für Dich ist. Du weißt nichts: beantwortet des BfA Deinen Antrag auf Humanitäres Bleiberecht, wie lange dauert das, wie soll ich jemals wieder hier in Afghanistan Fuß fassen, wenn mich doch niemand hier erkennen darf?

ÖFFENTLICHKEIT SOLL ERFAHREN WIE ES DIR GEHT

Ich bin selbst fassungslos. Würde am Liebsten zu Herrn Adr. K. ins BfA fahren und ihm Dein Leben in Afghanistan bis ins Detail schildern. Damit er weiß, was er und seine Vorgesetzten Dir angetan haben, wofür er Handlanger war.  Ich kämpfe immer noch für Dich und werde das solange tun, bis der Fall in Gerechtigkeit endet. Ich frage mich, ob ich den Wettlauf mit der Zeit gewinne, bis du psychisch kapitulierst, oder Dir etwas passiert. Ich telefoniere täglich mit Dir und fühle wie schwer es Dir fällt, klar und stark zu bleiben. Dazwischen weinen wir gemeinsam, du schickst mir Photos wie du vermummt einkaufen gehst und sagst mir gleichzeitig, wie schwer dir das fällt, da jeder der Dir begegnet meint, du seist ein Mensch mit bösen Absichten, da Du Dein Gesicht nicht zeigst.

Immer noch bekomme ich viele Zuschriften wegen Dir und ich überlege mir intensiv einen Termin bei Van der Bellen, Kurz und Kickl zu bekommen um Deinen so speziellen Fall noch mal zu besprechen.  Ich möchte diese Herren bitten, dem BfA zu sagen, sie mögen doch bitte Deinen Antrag endlich (offen seit 6. April 2018, Tag deines Interviews und Deiner Verhaftung am BfA St. Pölten zu veranlassen) Ich erwarte keine positive Antwort, ich möchte einfach eine Antwort. Denn einen Mensch in dieser Ungewissheit schmoren zu lassen ist unmenschlich, ist ein Beitrag zu einer psychischen Folter. Einer Demokratie wie der unsrigen einfach nur unwürdig.

Die politisch Verantwortlichen sprechen von Recht. Kann es Recht sein, einen jungen Mann, der fast 3 Jahre in unserem Land gelebt hat, der alles getan hat, was man von ihm verlangt hat, dessen Bruder zum Christentum konvertiert ist, sprich, der in seiner Heimat Afghanistan dadurch tödlichen Maßnahmen ausgesetzt ist, in einem Unterschlupf in Afghanistan versteckt, einfach keinen juristische Antwort zu seinem gestellten Antrag zu geben? Sei versichert Jan, ich und viele andere mit mir verurteilen dieses Verhalten, dieses menschenverachtende Regieren zu tiefst.

Ich bin in Gedanken bei Dir, so wie jeden Tag. Fühl Dich getragen von unseren Gedanken und unserem Tun hier. Morgen werden am Vormittag erneut Texte von Dir verlesen, von einem Künstler, einem Menschen, der viel für Menschen auf der Flucht getan hat. Ich werde dabei sein und Dir Fotos schicken und lass Dich stärken von dem Gedanken, dass wir in diesem Moment alle mit unseren Herzen bei Dir sind.

In Liebe, Doro

https://www.reuters.com/article/us-afghanistan-taliban/taliban-roaming-afghan-cities-amid-eid-euphoria-say-ceasefire-ends-at-midnight-idUSKBN1JD02Z

 

 

 

 

Share the Post: