2. Tag Hilfe vor Ort – Lesbos

Doro Blancke Lesbos - Moria 1 Kommentar

Wir möchten uns, bevor wir Bericht über den heutigen Tag abgeben uns bei jeder/jedem Einzelnen von Euch aus tiefstem Herzen bedanken. Dafür, dass ihr alle durch Euren Beitrag unsere Würde erhaltet. Es ist so unheimlich beglückend, liebend. Und es landet direkt bei Menschen in größter Not. DANKE! Wer noch will

Doro Blancke AT 93 3842 0000 0002 7516 Betreff: Lesbos

Der Tag ging wie üblich in der Küche/Taverne von Home for all los. Essen abpacken, in Schachteln sortieren, um sie dann in die Autos zu packen. Um 14 Uhr ging es dann los in die Jungles. Diese Fahrten verlaufen schweigend, jeder für sich in Gedanken und doch in stärkender, liebender Gemeinschaft. Jeder von uns weiß, dass wir jetzt wieder zustände sehen, die wir nicht einfach „weg stecken“ können. Und trotzdem wissen wir, wir machen in dieser grausamen Situation, von Politiker*innen verantwortet, das best mögliche für die Menschen auf der Flucht.

Wir sind nervös, denn die Meldungen von „ alle müssen ins Camp“, sind sie nicht willig lässt man sie „aushungern“, kein Essen, kein Wasser und irgendwann kommt die Riot Police, bis „ nein doch nur Familien, weil es gibt ja nur Platz für 5000 Menschen, eigentlich bis jetzt ja nur Platz für 2000. die Befürchtung bestätigt sich, die menschen, sind sie mal im Camp dürfen nicht mehr raus, NGOs, Ärzt*innen, Journalist*innen nicht hinein. Ein Gefängnis hinter NATO Zaun. Eine junge Afghanin schreibt mir „ i want to meet you, what should we do? „ ich finde keine Antwort.

Heute gibt es Reis mit Karotten und Kichererbsen. Wir steigen aus, werden lächelnd begrüßt „ hello, hello, thank you so much“ und ich versinke vor Scham fast in den Boden, dass sich Menschen so aufrichtig für eine einzige Mahlzeit bedanken.

Die Kinder kennen uns von gestern, lächeln uns an, der Satz „please make a line“ muss eigentlich nicht ausgesprochen werden. Alles funktioniert, die menschen vertrauen darauf, dass jede/jeder was bekommt. Wir sind erstaunt, viele fehlen, sie haben sich die 8 km auf den Weg Richtung neues Camp gemacht.

Alle hier immer noch ohne Wasser, ohne Essen, tlw in den abgebrannten Hütten von Moria lebend, oder in den Olivenhainen. Neugeborene, Kinder, deren Eltern die Kinder an sich drücken, das einzige was sie ihnen noch bieten können, ihre Liebe.

Das Gespräch mit einem Vater aus Afghanistan, warum er nicht ins Camp wolle? Wir werden gehen, unser Zuhause ist ein Camp, wir sind Flüchtlinge“ ….(.Schlag in die Brust. ) wir warten noch sagt er, alles schlecht organisiert, stressig, man steht mit den Kindern in der prallen Sonne in der Schlange, zur Registrierung.

Heute haben wir von Euren Geldern auch 5000 Masken bestellt, für die Menschen hier im Freien. Alle Politiker*innen sprechen von Covid 19, doch niemand findet es der Mühe wert, die refugees zu schützen. Und Windeln werden wir besorgen, auch das bekommen die Mütter nicht. Nicht mal Windeln für die Babies, das jüngste, das ich heute sah, gerade mal 1 Monat alt.

Bei der Heimfahrt schweigen wir wieder. Dieses Elend, noch dazu in Europa, dieses politische Spiel, ohne einer vernünftigen, menschenwürdigen Lösung in Sicht raubt mir teilweise den Atem.

Ein Tag neigt sich dem Ende zu, wir planen, organisieren für morgen, Helga und ich besprechen, wo und wie wir Gelder und unsere Arbeitskraft am Besten einbringen, telefonieren viel, informieren Medien und dann, trinken wir gemeinsam ein 1/8 Wein. Echte Freude will nicht aufkommen, zu groß ist die Sorge um die Menschen in den Jungles und um die Würde unseres Landes und der EU.

#Menschenrechte #lesbos #HomeforAll #HilfeVorOrt

Kommentare 1

  1. Danke, danke für alles, was ihr tut!
    Leute wie ihr halten die Würde Europas aufrecht und bewirken, dass ich mich nicht nur schämen muss!

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